Aggressives Unverständnis: Der Beitrag der Schulpädagogik zur Isolation der Geisteswissenschaften.

Dieser Blog soll die Schuld der Schulpädagogik aufzeigen, die sie im Umgang mit den Geistes- und Sozialwissenschaften auf sich geladen hat. Zunächst mag das verwundern: Schließlich sind die Stichwortgeber der herrschenden Pädagogik meist ebenso den Geistes- und Sozialwissenschaften zuzuordnen wie die meisten LehrerInnen. Doch: Gerade deswegen beschützt man die holde LehrerInnenschaft letzten Endes auch vor sich selbst, wenn man sie mit dieser Schuld konfrontiert – und Konsequenzen fordert. Der pseudo-kritische, pseudo-emanzipatorische Aufstand der dominanten (Reform-)Pädagogik gegen traditionelle und/ oder objektivierende Geistes- und Sozialwissenschaften (mit wenigen Ausnahmen) ist also immer auch ein Aufstand gegen sich selbst – schon daran erkennt man, dass man es in der Didaktik immer wieder mit „konzeptionellen Missgeburten“ zu tun hat, die man widerspruchsfrei überhaupt nicht zu Ende denken kann. Auch dieser permanente, unreflektierte, „unaufgehobene“ (im dreifachen Sinne) Selbstwiderspruch trennt die aktuelle Schulpädagogik von dem sonst so gern bemühten Immanuel Kant, den sie auf eine Denkmalsrolle als „Erfinder des Selberdenkens“ reduziert.

Es liegt also nicht nur im Interesse des Wissenschaftsstandorts Deutschland, sondern auch im Interesse der Schulpädagogen theirselves, dass man den Ursachen und Motiven aggressiven Unverständnisses nachgeht und notwendige Schritte einleitet, zu denen eine theorieunfähige und autoritär agierende Schuldidaktik nicht in der Lage ist. Die Schulpädagogik bedarf der konzeptionellen Anleitung durch stärker theorieorientierte Instanzen – das gilt bereits angesichts ihrer jetzigen, oft – salopp gesagt – „grottendoofen“, in jedem Fall aber zerstörerischen Konzepte – es gilt aber noch mehr für die Zukunft, wenn eine größtenteils vollkommen entgeistigte LehrerInnenschaft die Nachfolge der aktuellen Schulmeister antritt. Die „Erziehung der Erzieher“ war immer schon ein wichtiges Thema; die Fehlleistungen aktueller Schulpädagogen haben ihm neue Relevanz verliehen.

Der Beitrag zum „aggressiven Unverständnis ggü. den Geistes- und Sozialwissenschaften“, den herrschende Schulpädagogen leisten, liegt auf folgenden Ebenen:

1.) Der Schulunterricht wird einseitig an den Bedürfnissen der Grund- und Mittelstufe ausgerichtet; dadurch verschiebt sich der wissenschaftliche Gehalt vieler Fächer hinter den „eisernen Vorhang der Unvorstellbarkeit“. Trotz gleichzeitigen Akademisierungsdauergeklingels der GEW werden die didaktischen Angriffe auf die Bezugswissenschaften immer heftiger. Traurige „Spitzenreiter“ bei diesen Angriffen sind die Hamburger Philosophiedidaktik und das „Landesinstitut“ (LI). (Siehe hierzu auch den Brief an Andreas Keller im Beitrag über die GEW, der auf diesem Blog zu finden ist (Brief 1).)

2.) Die Buchkultur wird durch das konsequente Vernachlässigen  von Ganzschriften zugunsten kurzer Artikel, von Lehrbüchern zugunsten atomisierter Zettelwirstchaft, von schriftlicher zugunsten mündlicher Kommunikation und durch naiven Interet-Hype immer weiter aus der Schule gedrängt. Dadurch sinkt auch die Fähigkeit zum übergreifenden und systematisierenden Denken; Atomismus und Aus-dem-Zusammenhang-Reißen schaffen desorientierte Gartenzwerge, die sich – politisch erregt – schnell zu Terrorzwergen entwickeln können. Bereits bei der Generation „Lehrer Ü 5o“ sind diese Derationalisierungen zu spüren.

3.) Die Unfähigkeit zur Buchkultur schlägt auch auf den Uni-Bereich durch: Mental bildungsferne Studierende sind immer unfähiger, wissenschaftliche Hausarbeiten seriös zu verfassen. Im Grunde haben sie nur die „unverbindliche Collage“ gelernt, das assoziative Zusammentackern von Stümmel-Gedanken. Seriöseres Arbeiten ist vielen nur möglich, wenn sie sich strikt an „Schema F“ halten; sichtbar z.B. an Dissertationen Bildungsferner zur „anklagenden Bildungssoziologie“ – dem einzigen Fachgebiet, dem im GEW-System noch eine objektivierende Bedeutung zukommen soll. – Studierende werden dadurch zu Entfremdeten innerhalb der Uni.

4.) Zu allem Überfluss schiebt die GEW die Schuld für diese Buchferne und Unfähigkeit dann den „Bildungsbürgern“ in die Schuhe. Beispiel: Die – teilweise rein instrumentelle – Entrüstung über den Fall Schavan wird in eine Vernichtungskampagne gegen diejenigen eingebaut, die – insbes. im Vergleich zu den unter 3.) geschilderten GEW-verblödeten Studierenden – wohl am allerwenigsten für Unregelmäßigkeiten bei Hausarbeiten verantwortlich sind: Den FachwissenschaftlerInnen, die schon vor ihrer Uni-Zeit Texte geschrieben und einen Bezug zur Buchkultur entwickelt haben. Hier wird sich die GEW fragen müssen, ob ihre „Entrüstung über Mogeleien“ nicht eher das 1., 2. oder 3. Semester oder die B.A.-Arbeiten treffen sollte und ob man dem durch einen reduzierten Uni-Zugang für Buchferne und/oder stärkere Kontrollen begegnen müsste. Insofern schießt die zeternde GEW mit ihrer Kriminalisierungspolitik ein Eigentor, auch wenn sie heute noch „fröhlichen Höhn-Gacker“ auf Kosten der Fachwissenschaft betreibt.

5.) Insgesamt neigt die herrschende Pädagogik dazu, VertreterInnen der Buchkultur (die eine höhere Form der Geistigkeit darstellt) unter aberwitzigsten Vorwänden zu drangsalieren und zu kriminalisieren. Ausgerechnet die „Buchgelehrten“ werden in NS-Traditionen gestellt, obwohl man sie wg. Unsportlichkeit von der Oberschule geschmissen hätte! Und: Die – gerade bei GEW-geprägter Schulbildung de facto notwendige – herkunftsbedingte Vertrautheit mit Bildung wird den derart Privilegierten in Form eines Klassen-Rassismus angekreidet und die Unfähigkeit vieler zur Textproduktion ausgerechnet zur Kriminalisierung der Buchkulturellen missbraucht.

Anti-Intellektualismus, Bildungsferne, naiver Praxiskult, billigstes Vorwände-Denken, verkürzte Logik, Missbrauch der NS-Zeit – das ist das Holz, aus dem die Schulpädagogik das aggressive Unverständnis ggü. den Geisteswissenschaften schnitzt.

Dokumentieren wir die – offenen und verdeckten – Ausrottungsversuche und das Erzeugen aggressiven Unverständnisses! Definieren wir hierzu „Verblödungstypen“!

Verhindern wir, dass GEW, Erziehungswissenschaften und die von ihnen fehlgebildeten Studierenden die Intellektuellen in den Ofen gackern! – Erste Ansätze zur Gegenwehr gibt es auf diesem Blog.

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