Körper-Normierung im Lehramt durch Vertreter der Psychoanalyse?

Die Auswahl des Lehrpersonals an Schulen folgt mehr und mehr körperlich-ästhetischen Kriterien und wird unterschwellig behindertenfeindlich. Einer der Gründe hierfür liegt sicherlich darin, dass mit schwindender Amtsautorität Ersatz durch Charisma geschaffen werden muss. Doch auch eine tieferliegende Diskriminierung der Sonderlinge und körperlich Unattraktiven, der Schüchternen und Introvertierten, muss leider konstatiert werden. Eine der Spuren führt nach Frankfurt a.M., wo Anhänger der Psychoanalyse die ausgelebte und entwickelte genitale Sexualität „der Erwachsenen“ als normierende Instanz etablieren. Leider geht es dabei nicht nur um sexuelle Befreiung, sondern auch um die Ausstoßung der sexuell Inaktiven bzw. Erfolglosen bzw. Fehlentwickelten. Während Homosexualität (vordergründig) toleriert wird, sind nun die sexuellen „Marktversager“ das neue Feindbild. Während Begriffe wie „Frau“ und „Mann“ zumindest pro forma immer wieder als bloße Konstruktion entlarvt werden und gerade Heterosexuelle nichts so sehr verteufeln wie „Heteronomormativität“, wird „die“ genitale Sexualität „des“ Erwachsenen absolutgesetzt, ontologisiert und normativ aufgeladen. Unterschwellig ist das schon lange spürbar. Nun hat sich die Frankfurter Psycho-Analytikerin Leuzinger-Bohleber in der E & W (Bundeszeitschrift der GEW, Nov. 2015) aus der Deckung gewagt und sexuell Unausgeglichenen mehr oder weniger direkt das Recht auf Kindererziehung abgesprochen. Ob damit auch LehrerInnen gemeint sind, bleibt etwas unklar – die entsprechende Logik ist aber in jedem Fall auch im Lehramtsbereich wirksam.

_____ Mail an Prof. Dr. Leuzinger-Bohleber (Nov. 2015)___

Sehr geehrte Frau Leuzinger-Bohleber,

in der E & W haben Sie einen fachlich sicherlich richtigen Artikel zur frühkindlichen Sexualität geschrieben. Was ich allerdings problematisch finde, ist der Publikationskontext: Die GEW betreibt leider eine Politik, bei der klassische Intellektualität auch aus den Oberstufen (und sogar: Universitäten) immer weiter verdrängt wird zugunsten des wohlgeratenen, sympathischen, geistig biederen Normmenschen.

Nun könnte man ja fragen, ob nicht gerade die sexuell und körperlich Fehlentwickelten die eigentlichen Träger von Kultur und Geistigkeit sind, weil den „glücklichen Hühnern“ ganz einfach die Motivation für eine kritische Geistigkeit fehlt. Aber lassen wir das mal – entscheidend ist die Gefahr, dass die Reformpädagogik letzten Endes eine Körpernormierung betreibt, die durchaus mit Vorgängen im „Dritten Reich“ vergleichbar ist – allerdings mit dem Unterschied, dass heute sexuelle, ästhetische und musische Wohlgeratenheit im Mittelpunkt steht, während es im „Dritten Reich“ um Sportlichkeit, Mut und Stärke ging.

Beispiel Philosophiedidaktik: Wie Sie vielleicht wissen, betreibt der hiesige, auch in Ffm ausgebildete und mit einer Psycho-Analytikerin verheiratete Didaktik-Prof. Ekkehard Martens eine dezidiert philosophen- und intellektuellenfeindliche Didaktik und fördert nur solche Leute, die körperlich wohlgeraten, geistig aber eher anspruchslos sind. Seine Unterrichtsthemen zu Freundschaft, Liebe und Sexualität setzen (implizit) immer den/ die NormschülerIn voraus – denn wer gar keine Freund hat bzw. keine Sexualität, wird durch einen solchen Unterricht eher traumatisiert bzw. ausgegrenzt.

Ohnehin übersehen „Frankfurter“ gerne, dass Sexualunterdrückung ja nicht nur durch autoritäre Gebote, sondern auch durch das Fehlen eines Sexualpartners zustandekommen kann. Dieses Problem wird in der Regel geleugnet, indem man ganz einfach behauptet, Attraktivität sei rein subjektiv. Doch selbst wenn das stimmen sollte, sind Erfolg bzw. Misserfolg auf dem „sexuellen Markt“ objektiv gegebene, sogar „messbare“ Realitäten. – Was fällt Ihnen dazu ein?

Kurzum: Menschen, die die von Ihnen als „normal“ beschriebene Entwicklung nicht durchlaufen können, tauchen in den Konzepten überhaupt nicht auf. Was soll mit diesen Menschen eigentlich passieren? Werden sie unterschwellig kriminalisiert?

Sie schreiben z.B., in der E & W extra hervorgehoben: „Der behutsam fördernde Umgang kindl. Sexualität setzt vor allem eine stabile sexuelle Identität der erwachsenen Bezugspersonen voraus…“ (S. 20). Gilt das auch für LehrerInnen? Fördern LehrerInnen denn überhaupt kindl. Sexualität? Oder meinen Sie nur die Eltern? Oder die ErzieherInnen? Dürfen „sexuell Abartige“ dann keine Kinder mehr erziehen?

Ich befürchte, viele „Frankfurter Ansätze“ sind indirekt körpernormierend und ausgrenzend.  … …

Sie haben Ihren Artikel in einer Zeitschrift veröffentlicht, die regelmäßig Vorwände sucht, um Intellektuelle und Sonderlinge aus der Bildung zu vertreiben und das oberflächliche, attraktive, gruppendynamisch erfolgreiche „Normhuhn von der Stange“ zur neuen Monokultur zu machen. Wer dagegen opponiert, ist Nazi oder Triebverbrecher. Ich halte das für eine katastrophal-dümmliche Entwicklung.

Es bringt jedenfalls nichts, als Reaktion auf den militärisch-sportlichen Faschismus nun einen Ästhetischen Faschismus einzuführen. Von einem solchen kann aber – wenn auch in Frühform – in einigen Uni-Bereichen durchaus gesprochen werden. Dies betrifft insbesondere die Erziehungs- und Kulturwissenschaften, in denen geistige Normen permanent abgesenkt, körperlich-ästhetische aber permanent erhöht werden.

Dass zwischen Freud und dem „Dritten Reich“ durchaus eine indirekte Verbindung besteht (über Nietzsche und Schopenhauer), wissen Sie ja hoffentlich. Traurig ist, dass diese Verbindungen durchaus spürbar werden – der oben erwähnte Martens z.B. ist im Grunde „Nietzscheaner mit Schwerpunkt auf apollinische Persönlichkeiten“.

Für nicht-smarte, sexuell unattraktive bzw. „abartige“ Persönlichkeiten ist in der „Frankfurter Welt“ jedenfalls kein Platz mehr. Sie werden politisch kriminalisiert, und die GEW – angetrieben von Pogrombedürfnissen gegenüber Gelehrten, Intellektuellen und Grammatikern – greift das gerne auf. Vor diesem Hintergrund wirkt auch das ganze Vielfalts- und Buntheitsgeklingel wie Hohn. „Buntheit“ wird im Grunde nur aus ästhetischen Gründen angestrebt und zur Ausstoßung der Unmodischen.

Fällt Ihnen dazu etwas ein?

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