Latente Behindertenfeindlichkeit in der „inklusiven“ Geschichtsdidaktik?

Das Gegenteil von „gut“ ist nicht immer „gut gemeint“ (in Abgrenzung zu G. Benn). Doch manchmal trifft dieser Vorwurf zu – insbesondere dann, wenn sich Leute an konzeptionellem Denken zur Inklusion versuchen, die sich weder in die komplexe Interessenlage Behinderter versetzen können noch die nötigen Philosophie-Kenntnisse besitzen, um als TheoretikerInnen inklusiver Didaktik überzeugen zu können. Ein aktueller Beitrag auf der Internet-Seite der Hamburger Geschichtsdidaktik („Historisch denken lernen“) vom Mai 2017 gibt zu denken.

Sehr geehrter Herr Prof. Körber,

leider komme ich nicht umhin, auf latent behindertenfeindliche Implikationen Ihrer Ausführungen zur Inklusiven Didaktik hinzuweisen.

Sie sind offensichtlich nicht in der Lage, die Vielschichtigkeit des Behinderungsbegriffs zu reflektieren. Faktisch entziehen Sie mit Ihrem Ansatz „Behinderten“ ihre besondere Schutzbedürftigkeit und verlagern die Aufmerksamkeit der Didaktik auf deren Kosten zugunsten der nicht behinderten „Mitte“.  ….

Zu denken gibt auch, dass Sie „Behinderung“ einerseits als Klassifizierung ablehnen, als Ersatz aber ein wesentlich ausdifferenzierteres Klassifizierungssystem anbieten, das Menschen keine Schutzwürdigkeit, dafür aber niedrige Kompetenzen bescheinigt. Was ist denn nun stigmatisierender? Wenn man sagt „Dieser Mensch leidet an einer Behinderung und verdient deshalb Kompensation“ oder wenn man sagt „Er hat die Sprachkompetenz Null, und das sehen wir ganz wertfrei?!“ – Denken Sie doch einmal an Legastheniker – deren Sonderstatus wird in Ihrem System aufgekündigt.

Auch sonst wird an einigen Punkten deutlich, dass Sie die inklusiven Ziele, die Sie erreichen wollen (das nehme ich Ihnen persönlich ja ab), unterschwellig konterkarieren, weil Sie die Dinge nicht zu Ende denken, wie es ja leider zentrale Methodik an Ihrer Fakultät immer wieder ist.

Und was meinen Sie eigentlich mit „Liebesbedürftigkeit“? Die Tatzen von Stinkaffe, die falsche Offenheit von Karate-Kid Turnvater Tiedi? — Oder ist „Liebesbedürftigkeit“ ein impliziter, dezent hingegackerter Vorwurf an Leute, die Ihrer Diagnose nach „nicht geliebt“ wurden und deshalb von vielen VertreterInnen des rechten Flügels der Frankfurter Schule (Frankofaschisten) doppelt bestraft werden?

Überhaupt: Manchmal habe ich ja den Eindruck, Sie redeten zwar in höchsten Tönen von „LBQT-Perspektiven“, als sei das für Sie das Alleralltäglichste, machten hinter vorgehaltener Hand dann aber doch wieder schlüpfige Witze. Wie immer dem auch sei – als Vertreterin von Inklusion ist Ihre Fakultät jedenfalls viel zu ökofaschistisch, und als Vertreterin von Bildung zu unintellektuell.

Clou am Rande: Falls Sie „Inklusion“ derart radikal definieren sollten, dass nicht nur der gemeinsame Klassenraum und das gemeinsame Rahmenthema, sondern auch der konkrete Arbeitsprozess und jeder denkbare Aspekt gemeinsam sein sollen, dann betreiben sie einerseits Fachzerstörung unter dem Deckmäntelchen der Inklusion, fahren die Inklusion aber politisch an die Wand, weil dann ja das Vorurteil bestätigt wurde, Inklusion bedeute Niveauverfall.

Auch stellt sich die Frage, ob nun ausgerechnet eine tiefe Gemeinsamkeit beim Bearbeiten einer Aufgabe diejenige Art von Gemeinsamkeit ist, die sich InklusionsschülerInnen wünschen. Sie übersehen dabei, dass die von Ihnen so gerne bemühten Modelle von Segregation, Integration, Inklusion (Ihre geheime Vorliebe für Philosophisches!) nur Idealtypen darstellen, die auch in einer inklusiven Schule nebeneinanderbestehen: Nachmittags oder auf dem Schulhof z.B. gilt auch dann keine „Inklusion“ usw. — Es bringt also nichts, die Inklusionsforderung an der einen Stelle unnötig zu radikalisieren (s.o.), um sie dann an anderen Stellen auszublenden und sie insgesamt an die Wand zu fahren.

Dies als Wort zum Sonntag.

Mit freundlichen Grüßen

M.B.

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Stellungnahme zur Reform der Lehramtsstudiengänge in Hamburg

Eine Expertengruppe um den Münsteraner Pädagogik-Professor E. Terhart hat Vorschläge zur Reform der LehrerInnenbildung vorgelegt, und die Hamburger Schulbehörde eröffnet jedem Interessierten dankenswerterweise die Möglichkeit, sich bis Ende April zu den Vorschlägen zu äußern.

Leider geht es dort in erster Linie um Formalitäten und Funktionsbeschreibungen – neu ist u.a., dass ein eigenständiges Lehramt Grundschule geschaffen wird und die Benennung der Schulformen in die Benennung der Lehrämter mit einfließt. Auch eine gewisse Erhöhung der Fachwissenschaftlichkeit könnte man aus den Vorschlägen herauslesen, allerdings gilt dies nur beim Thema Studienanteile. Doch um all diese Punkte geht es diesem Blog nicht. Dennoch konnte sich der Autor nicht verkneifen, seine eher inhaltlich-konzeptionelle Kritik an der Hamburger Didaktik und dem Berufsmonopol von LehrerInnen im Schulbereich anlässlich dieser seltenen Offenheit der Schulbehörde als Stellungnahme einzusenden. Hier ist sie:

Sehr geehrte Damen und Herren,

dankenswerterweise eröffnen Sie auch Außenstehenden die Möglichkeit, sich zur Reform der Lehrerausbildung zu äußern.

Als meinen Beitrag übersende ich Ihnen mein Buch „Politische Denkstrukturen zwischen Dogmatismus und Leere. Analysen zur didaktischen Postmoderne“ als PDF. Es geht darin weniger um die konkrete und äußerliche Gestaltung der LehrerInnenbildung, sondern um Inhalte, um höchst problematische Denkweisen, Ideologien und Konzepte, die im Bereich der Erziehungswissenschaften mit nahezu totalitärer Gewalt durchgesetzt werden.

Ich habe die für LehrerInnenbildung zuständige Fakultät als Ort eines autoritären Irrationalismus, eines tiefen Anti-Intellektualismus und einer verkappten Psycho- und Bio-Normierung (s. Kap. 4.3.2., 4.6.) erlebt. Letztere wird übrigens auch beim Ruf nach „Persönlichkeitsmerkmalen“ im Rahmen der Berufseignung sogar von der Expertenkommission ganz offen zugegeben, auch wenn die Kommission aus juristischen und allgemeinen Gesichtspunkten Tests im Ergebnis ablehnt (s. S. 12 der Expertenempfehlungen). Dass diese – unhinterfragten – Persönlichkeitsanforderungen an LehrerInnen auch aus ganz anderen Gründen problematisch sind, dass eine intellektuellen- und sonderlingsfreie LehrerInnenschaft entsteht und sich insofern ein „Extremismus der Mittelschicht“ (s. Kap. 4.4.1.) hier Bahn zu brechen droht – das zeigt hoffentlich mein Buch.

In Bezug auf die eher gegenständlich-konkreten Denkhorizonte der Expertenkommission merke ich Folgendes an:

a) Der „Hamburger Weg“, die Fachdidaktiken den ErzWiss zuzuordnen, ist allenfalls in Fächern mit einem hohen Didaktisierungsbedarf vertretbar, also in Deutsch, Mathematik und Englisch. In allen anderen Fächern führt er zu deren schleichender Zerstörung und kognitiver Isolation, was nicht nur am terroristischen (und für den Verf. dieser Zeilen traumatisierenden) Umgang mit der Philosophie ablesbar ist – s. insbes. Kap. 4.2. und 5 (Geschichtsunterricht). Es steht den ErzWiss und der Lehrkraft vor Ort schlicht und ergreifend  nicht zu, den Charakter von Unterrichtsfächern und ihre wesentlichen Inhalte derart eigenmächtig zu gestalten.

b) Es sollten nicht nur für AbsolventInnen technischer Studiengänge, sondern auch und gerade in den Geisteswissenschaften Möglichkeiten des „Quereinstiegs“ geschaffen werden. Das gilt, so merkwürdig das klingen mag, insbesondere für die „Chefposten“, also die Bildungsplanung. Leider sieht man immer wieder, dass studierte LehrerInnen, die zu Didaktik-Professoren aufsteigen, konzeptionelles und abstraktes Denken nicht ausreichend beherrschen, um belastbare Konzepte zu entwickeln. Sie plappern dann nur Moden nach. Auch die Diskursfähigkeit lässt zu wünschen übrig.

Während die meisten Lehramtsstudierenden „untertheoretisiert“ sind, was auch am Fehlen einer seriösen philosophischen Schulbildung liegt und am stärker extrovertiert-gruppendynamischen Persönlichkeitsstil (s.o.), werden sie – zu BildungsplanerInnen aufgestiegen – schnell zu „übertheoretisierten“ Anhängern einer einzigen verabsolutierten tragenden Idee, um die herum sie dann alles gruppieren und dabei zu DogmatikerInnen werden. Auf die Leere im Kopf folgt dann das Dogma. Das Brett bleibt…

Konkrete Beispiele hierfür:

— der Kompetenzideologe Dr. Alfred Lumpe. (s. hierzu meinen hlz-Artikel „Banales nicht hochjazzen“/ Überschrift von J. Geffers in hlz 9-10/ 2014).

— der Geschichtsdidaktiker Prof. Andreas Körber mit seiner naiven Dogmatisierung subjektivistischer Erkenntnisweisen (s. meine Zuschriften auf seinem Blog „“Historisch denken lernen“ u. indirekt auch Kap. 5)

— die LI-Mitarbeiterin Lisa Rosa u. ihre individualistische, ja solipstische Dogmatik (s. meinen hlz-Artikel „Zerstörung des Allgemeinen?“ in hlz 5-6/ 2014 und mehrfach im Kap. 4 des beigefügten Buchs)

Nicht für einen Dogmatiker … halte ich den Referendarausbilder Dr. Sven Michael Fröhlich: über seinen Totalausfall informiert Kap. 4.2. des Buchs.

All dies hat strukturelle Ursachen in einer Unintellektualität von LehrerInnen, die auch durch hohe Anteile an Fachwissenschaften im Studium nicht ausgeglichen werden kann. Hier hilft nur der Einbezug „echter GeisteswissenschaftlerInnen“, die nicht nur den akademischen und theoretischen Blickwinkel, sondern auch den von AußenseiterInnen oft eher einbringen können als der aktiv-dominant-selbstbewusst-oberflächliche Lehramtskandidat von der Stange.

Zur Frage der Unterteilung der Lehrämter nach Schulformen äußere ich mich nicht. Denkbar wäre, die Ausbildung von GymnasiallehrerInnen einzustellen und ab Kl. 11 FachwissenschaftlerInnen mit Schlüsselwissen und -bund einzusetzen.

Didaktisches Konzeptionieren sollte jedenfalls auch und gerade „QuereinsteigerInnen“ überlassen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Bublitz

Erst Hausaufgaben, dann Filmabend! Antifaschismus ist kein Werbebutton!

Das merkwürdige Schwanken der GEW zwischen Über- und Unterhistorisierung im Denken und Handeln zeigt sich immer wieder auch beim Umgang mit dem Thema Antifaschismus. Aus aktuellem Anlass eine Mail an den bekannten Historiker Hannes Heer (Wehrmachtsausstellung), mit dessen aktueller Veranstaltungsreihe sich die GEW Hamburg schmückt.

 

Sehr geehrter Herr Heer,

in der aktuellen hlz wird eine Veranstaltungsreihe von Ihnen („Der Skandal als vorlauter Bote“) zum Thema „NS“ beworben, wobei auch das GEW-Logo im Flyer zu finden ist, auch wenn die GEW nicht explizit als Kooperationspartner genannt wird. Gegen die Veranstaltung sage ich nichts, empfinde die Mitwirkung der GEW aber als scheinheiligen Werbeeffekt.

 

Meine Kritikpunkte:

a) Die GEW beteiligt sich bildungspolitisch aktiv an der Chaotisierung und Zerstörung historischen Wissens im Rahmen einer didaktischen Postmoderne. Sie unterstützt die herrschenden, naiv-neoliberalen Ansätze der herrschenden Didaktik, die auf eine völlige Subjektivierung und Auflösung von Sinn- und Sachstrukturen, darunter auch historischer Kontexte, hinauslaufen (s. insbes. Kap. 4.1. meines beigefügten Buchs: „Politische Denkstrukturen zwischen Dogmatismus und Leere“

b) Die GEW beteiligt sich aktiv an der beruflichen Ausgrenzung und tendenziellen Delegitimierung prekärer und unabhängiger HistorikerInnen. Wie auch alle anderen Nicht-Lehramts-GeisteswissenschaftlerInnen werden diese von der GEW allenfalls akzeptiert, wenn sie ihre Erkenntnisse unmittelbar taktisch verwerten oder sich mit ihnen schmücken kann (s. insbes. Kap. 4.4.). Wo das nicht der Fall ist, wird gerne auch auf eine Weise zergackert und geätzt, die dem irrationalen gegnerischen Umgang mit den 2-20 problematisch zugeordneten Fotos in Ihrer Ausstellung vergleichbar ist (Vorwand – Gacker – Kloppe).

c) Viele Ansätze der herrschenden Didaktik können in das führen, was ich einen Öko- und Zentrifugalfaschismus nenne (s. Kap. 4.3.2., 4.6.). Diese Verbindungen haben – neben einer systematischen – auch eine historische Grundlage in der Lebensreformbewegung, dem Künstertum Hitlers, Teilen der Reformpädagogik und teilweise auch im Dreieck Schopenhauer-Nietzsche-Freud (s. Kap. 4.6.). Diese Themen kommen zu selten auf die Tagesordnung; vielleicht wird sich die Peter-Petersen-Diskussion in diese Richtung entwickeln. – Dies nicht als Kritik an Ihrer Themenwahl, sondern als Ergänzung. Allerdings sei gesagt: Ich habe die GEW mehrmals auf diese und andere problematische Aspekte ihres Denkens hingewiesen – Schweigen im Walde und Mobbing waren die einzigen Antworten.

d) Der „revolutionäre“ Umgang von verbeamteten GEW-LehrerInnen mit prekären, leichtbehinderten und/oder aneckenden GeisteswissenschaftlerInnen nimmt im Alltagsbetrieb immer wieder Formen an, die man durchaus als strukturellen Antisemitismus im soziologischen Sinne deuten könnte. – Ein etwas anders gelagertes Beispiel finden Sie auch in der aktuellen hlz, wo die (linke) Kritik an den Gymnasialempfehlungen mal wieder zum (tendenziell wahnhaften) Abwatschen der – zum Klischee verzerrten, zum Eintopf verkochten – intellektuelleren und/ oder bürgerlicheren SchülerInnen missbraucht wird. Hier scheint immer wieder eine Pogrom-Logik auf, die so unter Beamten und Linken sonst kaum zu finden sein dürfte. Die Kritik an vorschnellen Kompetenzzuweisungen durch GrundschullehrerInnen (für die man trotz dieser beklagten Fehlleistungen eine Aufwertung nach A13 fordert!) wird zur Delegitimierung geisteswissenschaftlicher Kompetenzen überdreht. Aus dem Ziel „Gemeinschaftsschule“ wird das Ziel „Kloppe für lesende Klosterschüler u.v.a.“ (s.a. Kap. 4.3.3.) – eine Überdrehung und ein Missbrauch einer linken Forderung.

 

Kein Kritikpunkt, aber eine Anmerkung:

Ihre Themenauswahl spiegelt noch sehr stark die Frontlinien der „alten Bundesrepublik“, die angesichts der Wehrmachtsausstellung 1999 vielleicht ein letztes Mal hochgekocht sind. Teilweise hat sich die erinnerungspolitische Gesamtlage sicherlich verschoben, und man sollte auch offen für neue Aspekte sein, wie z.B. den Zusammenhang Gesundheitskult – Ästhetizismus – Öko- und Zentrifugalfaschismus bzw. revolutionäre Zertrümmerungsbeamte (s.o., s. Kap. 4.3.2., 4.4., 4.6.).

Dies versteht sich nicht als Kritik an Ihnen, doch ermöglichen Sie der GEW hier spannende Filmabende, bei denen Gut und Böse schon feststehen und bei denen das Publikum die Erkenntnisse bereits teilt und anerkennt. Ich finde, das hat die GEW nicht verdient; da soll sie erstmal Hausaufgaben machen, vor der eigenen Tür kehren und ihre Suppe essen.  …

 

 

 

Cyber-Mobbing gegen KritikerInnen der herrschenden Philosophiedidaktik? Eine Auflistung von Vorfällen nach Bußmanns „Würgegriff“-Äußerungen

Obwohl die vorherrschende Philosophiedidaktik ständig vom „herrschaftsfreien Dialog“ redet, wird auf Kritiker grundsätzlich nicht eingegangen. „Auf Augenhöhe“ redet man nur mit Grundschulkindern, deren Ungerechtigkeiten man nicht sieht und die man sogar über Menschenrechte befinden lassen will…
Auf Kritik von Außenstehenden wird – wie gesagt – grundsätzlich nicht eingegangen, doch beim Schweigen bleibt es nicht – kommunikative Gewalt tritt hinzu. Dass die Philosophiedidaktik ein Abgussbecken für autoritäre Persönlichkeiten ist, mögen andere untersuchen – auf diesem Blog stehen schließlich nicht die psychischen, sondern die geistig-konzeptionellen und politischen Schwächen der deutschen Philosophiedidaktik im Mittelpunkt. Und an dieser Stelle hier geht es um eine Auflistung lediglich der unmittelbaren Machtpolitik, mit der man die Herrschaft der Theoriefeinde und Irrationalen stabilisiert. Erstaunlich ist, wie schnell zur offenen Drangsalierung von GegnerInnen geschritten wird:
a) Bußmann droht auf miveo mit „tödlichen Würgegriffen“
Bei der Expansion nach Österreich droht man VertreterInnen anderer Konzepte in der Philo-Didaktik mit „tödlichen Würgegriffen“ (Bettina Bußmann, Ex-Hamburg, nun Salzburg, in der Anmoderation eines Vortrags von M. Tiedemann, Ex-Hamburg, jetzt Dresden; witzigerweise ein Vortrag zum Thema „Toleranz“ ,zu sehen auf vimeo).
b) Psycho-Terror durch falsche „Freunde“ im Internet
Wenn man als Schreiber von Protestbriefen eine Reaktion erhält, dann von irgendwelchen Internet-Fake-Figuren, die erst Interessse und Sympathie vortäuschen und dann zu Psycho-Terror übergehen – wie z.B. ein Klaus (Peter) Schmidt, der von der Adresse klaus.schmidt@ruhr-uni-bochum.de aus sein Unwesen treibt. Ob Volker Steenblock, der dortige Lehrstuhlinhaber für Didaktik, von diesem Treiben weiß? Um das herauszufinden, erging folgende Mail an ihn (30.12.16):
_______________________________________________________________
Sehr geehrter Herr Prof. Steenblock,
 
von einer Adresse der Ruhr-Uni Bochum aus ist ein psychoterroristischer Angriff (Cybermobbing) auf mich verübt worden; der Verf. bezeichnet sich als „Klaus Peter Schmidt“ bzw. „Klaus Schmidt“ und behauptet, bei Ihnen studiert zu haben und junger Philosophielehrer in Berlin zu sein (klaus.schmidt@ruhr-uni-bochum.de)
 
Der Mailwechsel wird vom Verein „Leben mit Behinderung“ archiviert und könnte – in Verbindung mit anderen Kontaktaufnahmen – ggf. strafbaren Charakter haben (psychische Gewalt o.ä.). Bei Bedarf erläutere ich Ihnen Details.
 
Es wäre schön, wenn Sie sich davon distanzieren bzw. zur Frage Stellung nehmen würden, ob es einen derartigen Klaus (Peter) Schmidt im Dunstkreis der RUB-Philosophie gibt. Zur Mithilfe bei der Aufklärung von Straftaten sind Sie verpflichtet.
 
Drittklässler würden Fakemails bestimmt eine klasse Sache finden und sollten vielleicht schon deshalb nicht allzu direkt über Menschenrechte philosophieren (wie Sie es ja diskutieren), zumal ihnen der Gedanke einer Unaufkündbarkeit fremd erscheinen müsste. Dass die Didaktik des Kinder-Thing latent faschistoide Züge trägt, erkennt man auch hier, weil ein Weg in die Aufkündigung von (Menschen-)rechten aufscheint.
 
Über den Ökofaschismus in der herrschenden Didaktik informiert Sie übrigens mein neues Buch.
 
Bitte verstehen Sie, dass die Philo-Didaktik so langsam auch zu einem Fall für Behindertenverbände wird. Kritikpunkte gibt es genug; bitte informieren Sie sich ggf. auch auf meinem Blog über die Biologisierungstendenzen in der Philo-Didaktik. Eine detaillierte Durchleuchtung aller philodidaktischen Produkte auf Behindertenfeindlichkeit wird Ihnen zugehen.
 
Letzten Endes bedeutet Reformpädagogik leider allzuoft, dass die Geistigbehinderten (Dementen, Doofen, Karate-Kids, Kinderfixierten) die Körperbehinderten (und Intellektuellen) ausrotten – Motto: Wen DAO beim Gruppensex nicht dabeihaben will, den er erklärt er zum „autoritären Charakter“.
 
Mit freundlichen Grüßen
MB
Prof. Steenblock schweigt zu den Vorwürfen. Wie lange kann er sich das noch leisten? Will er durchblicken lassen, dass man vor krimineller Gewalt nicht zurückschreckt?
c) Löschungsversuche bei „wikipedia“
Am 28.6.17 wurde versucht, im wikipedia-Artikel „Didaktik der Philosophie“ den Abschnitt zur „systemisch-historischen Philosophiedidaktik“ ersatzlos zu entfernen, sodass fast nur noch die Konzepte der fachfernen offiziellen DidaktikerInnen zu sehen sind. Wikipedia lehnte diese Löschversuche als unbegründet ab.
d) Verleumdungsversuche auf US-amerikanischen (Fake?)-Seiten
Im Internet bietet eine US-amerikanische Seite in gebrochenem Deutsch Korrekturlesen und akademische Hilfe beim Schreiben an. Googelt man meinen philososphiedidaktischen Essay, stößt man auf diese Seite, wird dann vor Ort allerdings nicht fündig (14.8.17).
e) Dauerausleihe des „Essays“ in der Uni-Bibliothek Duisburg-Essen, Standort Essen
Zu den Bibliotheken, die den „Essay zu einer systemisch-historischen Philosophiedidaktik“ im Bestand haben, zählt die Essener Universitätsbibliothek. Doch ist das Buch dort seit mehr als 2 Jahren (!) permanent ausgeliehen. Die im Online-Katalog für dieses Buch angegebene Ausleihfrist umfasst unüblicherweise bereits mehrere Monate (ein Hinweis darauf, dass Universitätspersonal ausleiht) und wird dann immer wieder verlängert. Nun ist die Uni Essen-Duisburg Wirkungsstätte von Vanessa Albus, einer Philosophiedidaktikerin, die nicht durch Freundlichkeit mir ggü. auffiel (Emailverkehr), sich zum Phänomen der Dauerausleihe nicht äußern wollte und noch Gegenstand philosophiedidaktischer Betrachtungen sein wird.
All das zeigt: Der autoritäre und brutale Charakter der deutschen Philosophiedidaktik tritt immer deutlicher zu Tage – Sticheleien und Grenzwertiges gehören bei unseren Ethik-Experten zum Repertoire. Neben die schreiende Unfähigkeit tritt der latente Terror. Das Schlagwort von der „Demokratisierung“ dient nur als Vorwand für eine intellektuellenfreie Kultur – geistige „Macht“ wird abgebaut und durch strukturelle (und: kriminelle) Gewalt ersetzt.

Aggressives Unverständnis: Der Beitrag der Schulpädagogik zur Isolation der Geisteswissenschaften.

Dieser Blog soll die Schuld der Schulpädagogik aufzeigen, die sie im Umgang mit den Geistes- und Sozialwissenschaften auf sich geladen hat. Zunächst mag das verwundern: Schließlich sind die Stichwortgeber der herrschenden Pädagogik meist ebenso den Geistes- und Sozialwissenschaften zuzuordnen wie die meisten LehrerInnen. Doch: Gerade deswegen beschützt man die holde LehrerInnenschaft letzten Endes auch vor sich selbst, wenn man sie mit dieser Schuld konfrontiert – und Konsequenzen fordert. Der pseudo-kritische, pseudo-emanzipatorische Aufstand der dominanten (Reform-)Pädagogik gegen traditionelle und/ oder objektivierende Geistes- und Sozialwissenschaften (mit wenigen Ausnahmen) ist also immer auch ein Aufstand gegen sich selbst – schon daran erkennt man, dass man es in der Didaktik immer wieder mit „konzeptionellen Missgeburten“ zu tun hat, die man widerspruchsfrei überhaupt nicht zu Ende denken kann. Auch dieser permanente, unreflektierte, „unaufgehobene“ (im dreifachen Sinne) Selbstwiderspruch trennt die aktuelle Schulpädagogik von dem sonst so gern bemühten Immanuel Kant, den sie auf eine Denkmalsrolle als „Erfinder des Selberdenkens“ reduziert.

Es liegt also nicht nur im Interesse des Wissenschaftsstandorts Deutschland, sondern auch im Interesse der Schulpädagogen theirselves, dass man den Ursachen und Motiven aggressiven Unverständnisses nachgeht und notwendige Schritte einleitet, zu denen eine theorieunfähige und autoritär agierende Schuldidaktik nicht in der Lage ist. Die Schulpädagogik bedarf der konzeptionellen Anleitung durch stärker theorieorientierte Instanzen – das gilt bereits angesichts ihrer jetzigen, oft – salopp gesagt – „grottendoofen“, in jedem Fall aber zerstörerischen Konzepte – es gilt aber noch mehr für die Zukunft, wenn eine größtenteils vollkommen entgeistigte LehrerInnenschaft die Nachfolge der aktuellen Schulmeister antritt. Die „Erziehung der Erzieher“ war immer schon ein wichtiges Thema; die Fehlleistungen aktueller Schulpädagogen haben ihm neue Relevanz verliehen.

Der Beitrag zum „aggressiven Unverständnis ggü. den Geistes- und Sozialwissenschaften“, den herrschende Schulpädagogen leisten, liegt auf folgenden Ebenen:

1.) Der Schulunterricht wird einseitig an den Bedürfnissen der Grund- und Mittelstufe ausgerichtet; dadurch verschiebt sich der wissenschaftliche Gehalt vieler Fächer hinter den „eisernen Vorhang der Unvorstellbarkeit“. Trotz gleichzeitigen Akademisierungsdauergeklingels der GEW werden die didaktischen Angriffe auf die Bezugswissenschaften immer heftiger. Traurige „Spitzenreiter“ bei diesen Angriffen sind die Hamburger Philosophiedidaktik und das „Landesinstitut“ (LI). (Siehe hierzu auch den Brief an Andreas Keller im Beitrag über die GEW, der auf diesem Blog zu finden ist (Brief 1).)

2.) Die Buchkultur wird durch das konsequente Vernachlässigen  von Ganzschriften zugunsten kurzer Artikel, von Lehrbüchern zugunsten atomisierter Zettelwirstchaft, von schriftlicher zugunsten mündlicher Kommunikation und durch naiven Interet-Hype immer weiter aus der Schule gedrängt. Dadurch sinkt auch die Fähigkeit zum übergreifenden und systematisierenden Denken; Atomismus und Aus-dem-Zusammenhang-Reißen schaffen desorientierte Gartenzwerge, die sich – politisch erregt – schnell zu Terrorzwergen entwickeln können. Bereits bei der Generation „Lehrer Ü 5o“ sind diese Derationalisierungen zu spüren.

3.) Die Unfähigkeit zur Buchkultur schlägt auch auf den Uni-Bereich durch: Mental bildungsferne Studierende sind immer unfähiger, wissenschaftliche Hausarbeiten seriös zu verfassen. Im Grunde haben sie nur die „unverbindliche Collage“ gelernt, das assoziative Zusammentackern von Stümmel-Gedanken. Seriöseres Arbeiten ist vielen nur möglich, wenn sie sich strikt an „Schema F“ halten; sichtbar z.B. an Dissertationen Bildungsferner zur „anklagenden Bildungssoziologie“ – dem einzigen Fachgebiet, dem im GEW-System noch eine objektivierende Bedeutung zukommen soll. – Studierende werden dadurch zu Entfremdeten innerhalb der Uni.

4.) Zu allem Überfluss schiebt die GEW die Schuld für diese Buchferne und Unfähigkeit dann den „Bildungsbürgern“ in die Schuhe. Beispiel: Die – teilweise rein instrumentelle – Entrüstung über den Fall Schavan wird in eine Vernichtungskampagne gegen diejenigen eingebaut, die – insbes. im Vergleich zu den unter 3.) geschilderten GEW-verblödeten Studierenden – wohl am allerwenigsten für Unregelmäßigkeiten bei Hausarbeiten verantwortlich sind: Den FachwissenschaftlerInnen, die schon vor ihrer Uni-Zeit Texte geschrieben und einen Bezug zur Buchkultur entwickelt haben. Hier wird sich die GEW fragen müssen, ob ihre „Entrüstung über Mogeleien“ nicht eher das 1., 2. oder 3. Semester oder die B.A.-Arbeiten treffen sollte und ob man dem durch einen reduzierten Uni-Zugang für Buchferne und/oder stärkere Kontrollen begegnen müsste. Insofern schießt die zeternde GEW mit ihrer Kriminalisierungspolitik ein Eigentor, auch wenn sie heute noch „fröhlichen Höhn-Gacker“ auf Kosten der Fachwissenschaft betreibt.

5.) Insgesamt neigt die herrschende Pädagogik dazu, VertreterInnen der Buchkultur (die eine höhere Form der Geistigkeit darstellt) unter aberwitzigsten Vorwänden zu drangsalieren und zu kriminalisieren. Ausgerechnet die „Buchgelehrten“ werden in NS-Traditionen gestellt, obwohl man sie wg. Unsportlichkeit von der Oberschule geschmissen hätte! Und: Die – gerade bei GEW-geprägter Schulbildung de facto notwendige – herkunftsbedingte Vertrautheit mit Bildung wird den derart Privilegierten in Form eines Klassen-Rassismus angekreidet und die Unfähigkeit vieler zur Textproduktion ausgerechnet zur Kriminalisierung der Buchkulturellen missbraucht.

Anti-Intellektualismus, Bildungsferne, naiver Praxiskult, billigstes Vorwände-Denken, verkürzte Logik, Missbrauch der NS-Zeit – das ist das Holz, aus dem die Schulpädagogik das aggressive Unverständnis ggü. den Geisteswissenschaften schnitzt.

Dokumentieren wir die – offenen und verdeckten – Ausrottungsversuche und das Erzeugen aggressiven Unverständnisses! Definieren wir hierzu „Verblödungstypen“!

Verhindern wir, dass GEW, Erziehungswissenschaften und die von ihnen fehlgebildeten Studierenden die Intellektuellen in den Ofen gackern! – Erste Ansätze zur Gegenwehr gibt es auf diesem Blog.

„Change“ und Dynamik als Selbstzweck: Ein postmodernes Dogma. Mail an die hlz.

Obwohl sich die „Totalitäre Postmoderne“ für ideologiefrei hält, predigt sie Dogmen – ohne es so recht zu merken und oft auch eher am Rande. Das zeigt auch die Hamburger Lehrerzeitung in ihrer Dezember-Ausgabe (Autor: J.G.), wenn sie sich dem – sonst so verschmähten – Gebiet der klassischen Philosophie gleich zweimal zuwendet. Beim ersten Mal verabsolutiert sie das Prinzip der Veränderung, des Dauer-Change, das angeblich „alle“ Philosophen gelehrt hätten, beim zweiten Mal käut sie die Reduzierung Kants auf das – aus dem historischen Kontext gerissene und postmodern missbrauchte – Schlagwort vom „Selberdenken“ wieder.

Philosophieverachtung und Philosophiemissbrauch bei gleichzeitiger Überdogmatisierung (Überphilosophierung) des eigenen Denkens im Sinne eines postmodernen Dogmas von Dynamik und Atomismus – und das aus dem Munde einer angeblich „linken“, angeblich „bildungsorientierten“ Beamtengewerkschaft. Da haben Leute die kulturelle Grammatik verloren…

Nun die Mail (Dez. 2015) an den zuständigen hlz-Redakteur:

„…in der neuen hlz machst Du ja zwei Ausflüge in die Philosophie, die Gegenstand meiner heutigen Mail sein sollen:

1.) Du schreibst: „Wir werden uns nicht verändern … (Das) widerspricht allem, was die Philosophen dieser Welt in der Gegenwart wie in der Vergangenheit resümiert haben. Von `alles fließt` bis zu: ´das Einzige, was bleibt, ist die Veränderung`… oder um es mit Bob Dylan zu sagen: The Times They Are A- Changin`.“ (S. 3)

Wenn man diese Textstelle mal „überbewertet“, könnte man jetzt von „Totalitärer Postmoderne“ sprechen, weil Du alle nicht-dynamischen (nicht veränderungsorientierten) Philosophen (und das sind fast alle irgendwie!) ausblendest. Und weil Du – so gesehen – irgendwie fast alle Philosophen ausblendest, könnte man hier auch wieder die Folgen einer Nichtvermittlung von Philosophie anprangern – dargetan am Beispiel eines Vertreters der LehrerInnenschaft.

Man muss da gar nicht mal mit Platon mit seinen „ewigen Ideen“ kommen oder mit Kant und seiner schlechthinnigen menschlichen Vernunft (dazu unten noch etwas).

Schau mal, auch der von Dir bemühte Heraklit wollte ja etwas Ewiges und Absolutes aussagen, als er formulierte: „Alles fließt“ – oder auch: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“ (dazu später mehr). Und es wird heute noch zitiert und immer wieder – wie in Deinem Falle – auch noch zur Ideologie hochgekocht. – Und auch Marx, der Veränderungs- und Revolutionsphilosoph, war der Meinung, aus ewigen Daseinsgesetzen (DiaMat) eine grundlegende, jahrhunderteübergreifende Geschichtstheorie (HistoMat) geschaffen zu haben.

Es ging den Philosophen also meist irgendwie ums „Ewige“, und deshalb sind diese Theorien ja auch so überzogen und können nicht 1:1 gelehrt und geglaubt werden – sonst droht schnell mal „Überdogmatisierung“ (wie in Deinem Fall), geboren aus „Unterdogmatisierung“ (im Sinne mangelnden Philosophie-Bewusstseins).

Insofern mal wieder eine Bestätigung meiner Philo-Didaktik.

Aber ich lasse das mal, weil dieser Punkt im KONTEXT Deines Artikels nicht so wichtig ist. Du hättest ja auch „widerspricht vielem, was“ schreiben können – und dann hätte es gepasst, weil sich auch einige der „ewigkeitsorientierten Theorien“ um Veränderung drehen (s.o.). Und als Kommentar zu Hollande ist es ja auch o.k. und eine geistreiche argumentative Untermalung.

INHALTLICH finde ich diese Theorie allerdings nicht unproblematisch – es gibt da ein Stück von F. J. Degenhardt, in dem er sich ablehnend mit Biermanns Motto „Nur wer sich verändert, bleibt sich treu“ auseinandersetzt. Das Stück stammt aus den frühen 90ern, in denen die – heute zum Dogma gewordene – „kultur-neoliberale“ Ideologie von der Oppositions- zur Herrschaftsideologie wurde (Flexibilität u.v.a.m.). Auch hier ein Beispiel für den „cultural lag“ im Schulbereich, wenn Du für neu und innovativ hältst, was das vor 20 Jahren war. Auch diese historische Zeitverzögerung ermöglicht es Euch übrigens, den Spagat zwischen revolutionärer Rhetorik und praktischem Herrschaftshandeln zu schaffen.

Und ewige Veränderung bedeutet ebne irgendwie auch ewigen Kampf , wie schon Heraklit wusste (s.o.). Dynamismus kann emanzipatorisch , aber auch aggressiv sein.

Als Ideologie einer Beamtengewerkschaft eignet sich dieser Dynamismus ebensowenig wie zur Verteidigung des Sozialstaats. Und schau mal, Joachim: Euer „Veränderungsdynamismus“ ist ausgesprochen selektiv, in den meisten Punkten seid Ihr eher strukturkonservativ, auch wenn Ihr dies nicht so sehr thematisiert, weil man die bereits vorhandenen Strukturen und Privilegien nicht so deutlich einfordern muss wie Veränderungen.

Insofern „ankert“ Ihr im Fluss und ruft den vorbeitreibenden Leichenteilen zu: „Ist das nicht doll? Alles fließt! … Und jedesmal wenn ich plantsche, ist es ein ganz anderer Fluss – überhaupt nicht wiederzuerkennen und auch ontologisch keinesfalls identisch! Faszinierend! Und da, am Ufer! Ein Reh! Ändert konstant seine Position! Ja, ja, nur die Änderung ist konstant; von hier aus kann ich das seit Jahren beobachten.. Ooooooo, ein zerfetztes Käsehuhn treibt vorbei. Ja, ja der Kampf, sach ich immer. Möge der Bessere… Und da! Schon wieder fließt der Fluss in seinem nimmermüden Wollen!“

Also: Als Ideologie (im positiven Sinne des Worts) eignet sich dieser Veränderungsdogmatismus nicht. Und besonders originell ist er auch nicht – wenn z.B. Unternehmens- und Kommunikationsberater (wie geschehen) eine Tagung zu „The only constant is change“ machen, werden sie das auch irgendwann mal „changen“ müssen.

Und in der Bürowelt , Joachim, und ganz allgemein in der Arbeitswelt – insbes. außerhalb des Beamtentums – ist „change management“ eher ein Drohbegriff und zutiefst neoliberal.

2.) Zum Schluss überrascht dann das eingerückte Kant-Original (S. 65). Schau mal, Kant konnte an das „Selberdenken“ ja nur deshalb glauben, weil er überzeugt war, so etwas wie allgemeine Moralitätsgrundsätze entdeckt zu haben (Kategorischer Imperativ), die in jedem Menschen schlummern und die man auch nicht predigen muss, weil sie jeder Mensch – bei „autonomem Gebrauch seiner Vernunft“ – schon selber finden würde. Sehr optimistisch, der liberale Glaube an den Selbstlauf der Dinge (Glaubst Du daran auch in Wirtschaftsfragen, Joachim?)!

Dieser Vernunftoptimismus darf sich heute nicht zum neuen Dogma entwickeln – zumal die aus dem „Kategorischen Imperativ“ ableitbaren konkreten Aussagen (bzw: die mit ihm zu vereinbarenden, so herum läuft es eher) auch viele thematische Felder nicht (eindeutig) abdecken, sodass dann doch wieder andere Instanzen hinzutreten müssen. „GEW“ ist mit Kant jedenfalls größtenteils nicht zu machen, Joachim…

Wie Du vielleicht weißt, überwiegt bei Kant (in der konkreten Ausgestaltung) der Rechtsstaat (inkl. Eigentumsschutz) ggü. dem Sozialstaat (Almosen sind moralisch zu begrüßen, aber freiwillig und noch nicht einmal in jedem Fall ethisch motiviert). Und im Strafrecht werden soziologisierende, „linke“ Argumentationen unter Verweis auf einen anderen Punkt der Kantschen Lehre (Willensfreiheit als Ausfluss einer Doppelnatur des Menschen als empirisch-körperlich und noumenales Wesen) zurückgewiesen.

Nun darfst Du natürlich einwenden, dass man Kant doch in linker Richtung weiterentwickeln könnte und dass viele seiner Aussagen zeitbedingt seien (Kein Wahlrecht für Frauenzimmer, Handlanger, Hauslehrer und Friseure!).

Zeitbedingt ist aber auch sein Vernunftoptimismus. Insofern sind Leute wie z.B. Tiedemann leider auch „unhistorisch“, wenn sie plötzlich an die Situation von 1784 anknüpfen, wo man eben noch sehr stark an vorgekaute Ideen glaubte (was Kant überwinden wollte), während man heute keine eigenen Ideen mehr hat, weil man es unterließ, die vorgekauten zunächst einmal wiederzukäuen…

Und deshalb nervt es auch so, Joachim, wenn sich die „Selberdenker“-Fraktion in der Philo-Didaktik immer wieder gebetsmühlenartig auf diesen EINEN, angeblich so schlüsselhaften, im Grunde aber (innerhalb des Kantschen Gedankengebäudes) banalen Textausschnitt stützt, dessen Anfang wir in der Schule (HH, 1993) übrigens mal auswendiglernen mussten.

Wie Du vielleicht jetzt ahnst, enstpricht vieles von dem, was Kant gedacht hat (gerade in ethischen und politischen Fragen) keineswegs dem, was heute bei einem „Selberdenken“ (gerade von Jugendlichen, aber auch von Linken) herauskommen würde. – Und dieses Missverständnis Kants ist auch deshalb möglich, weil sich die meisten Didaktiker um „Kant als Unterrichtsthema“ nicht genug kümmern (übrigens blieb es schon 1993 beim reinen Propagieren des „mündigen Denkens“ an sich.)

Nun sagt das ja nichts gegen Deine Texte, die sich um andere Themen drehen. Vielleicht soll der – etwas üppig geratene und für die hlz nun absolut untypische – Kant-Verweis ja auch ein Wink mit dem Zaunpfahl sein, sich „seinen Teil zu denken“ bei Deinem Text…

Wie dem auch sei: Es ist ein schönes Stilmittel, Texte philosophisch anzureichern ; aber ich finde, man sieht auch die Schwierigkeiten, die Ihr beim Gebrauch der Philosophie habt.

Von daher erneut die Einladung an Dich, in Ideologie- und Philosophie-Fragen auch mal auf neue Ansätze zu setzen, idealerweise aus meiner Feder. Ein bisschen weht ja der „wind of change“ in der aktuellen hlz , und zu einigen Punkten werde ich noch etwas schreiben.

Weihnachtliche Grüße
MB“